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Ratgeber

Pflege bei Diabetes im Alter: 8 Tipps für pflegende Angehörige

Der Umgang mit Diabetes kann für pflegende Angehörige eine zusätzliche Herausforderung im oft fordernden Pflegealltag sein. Umso hilfreicher sind verständliche Informationen und praktische Tipps für den Alltag, die wir innen – resultierend aus unseren Erfahrungen bei der Pflege bei Diabetes – mit diesem Beitrag bieten möchten.

 

Der Umgang mit Diabetes kann für pflegende Angehörige eine zusätzliche Herausforderung im oft fordernden Pflegealltag sein. Umso hilfreicher sind verständliche Informationen und praktische Tipps für den Alltag, die wir innen – resultierend aus unseren Erfahrungen bei der Pflege bei Diabetes – mit diesem Beitrag bieten möchten.

Diabetes – kurz & knapp erklärt

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Zucker (Glukose) aus der Nahrung nicht adäquat verwerten kann. Ursache ist eine mangelnde Produktion oder Verwertung des Hormons Insulin, durch die zu viel Zucker im Blut angereichert wird, während die Körperzellen selbst nicht genügend Energie erhalten.

Typ-1- und Typ-2-Diabetes: Die wichtigsten Unterschiede

Medizinisch kann zwischen zwei Hauptformen des Diabetes unterschieden werden, die jeweils unterschiedliche Ursachen und Folgen haben:

  Typ-1-Diabetes Typ-2-Diabetes (Altersdiabetes)
Ursache Autoimmunerkrankung: Das Immunsystem zerstört die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Durch eine Insulinresistenz ist zwar Insulin vorhanden, es wirkt aber schlechter; begünstigt durch Veranlagung, Bewegungsmangel oder Übergewicht
Entstehungsalter Meist im Kindes- oder Jugendalter Vor allem im Erwachsenen- und höheren Lebensalter; daher auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet.
Auftreten der ersten Symptome Beginnt meist plötzlich mit deutlichen Beschwerden. Entwickelt sich langsam und bleibt oft lange unbemerkt.
Insulinproduktion Der Körper bildet kein eigenes Insulin mehr. Insulin wird noch gebildet, reicht aber meist nicht aus oder wirkt vermindert.
Einfluss der Lebensweise Ernährung und Bewegung unterstützen, können die Folgen der Erkrankung aber nicht verhindern oder ausgleichen. Der Lebensstil hat großen Einfluss auf Therapie und Verlauf.
Therapie Lebenslange Insulingabe notwendig Teilweise durch Ernährung, Bewegung und Tabletten gut therapierbar; später eventuell zusätzlich Insulingabe notwendig
Chance auf Besserung / Heilung Nicht heilbar In frühen Stadien möglich (normale Blutzuckerwerte ohne Medikamentengabe), Risiko bleibt aber bestehen

Die Rolle von Insulin im Körper

Nach dem Essen werden Kohlenhydrate aus der Nahrung in kleine Zuckermoleküle – sogenannte Monosaccharide – zersetzt, die anschließend ins Blut gelangen und zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führen. Auf diesen Anstieg reagiert die Bauchspeicheldrüse, indem sie Insulin ausschüttet. Das Insulin wirkt hierbei wie ein „Türöffner“, der es den Körperzellen ermöglicht, den Zucker aufzunehmen und als Energie zu nutzen. Insbesondere das Gehirn und die Muskeln sind auf diese Energie angewiesen, um leistungsfähig zu bleiben.

Fehlt das Insulin (Typ-1-Diabetes) oder wirkt es nicht ausreichend (Typ-2-Diabetes), bleibt der Zucker im Blut, der Blutzuckerspiegel steigt an und schädigt langfristig Blutgefäße und Nerven. Gleichzeitig fehlt die Energie in den Körperzellen.

Warum ist Typ-2-Diabetes im Alter so häufig?

Im Lauf des Lebens beeinflussen verschiedene Veränderungen im Körper und im Lebensstil den Zuckerstoffwechsel, sodass das Risiko einer Diabeteserkrankung steigt:

  • Nachlassende Insulinempfindlichkeit: Mit zunehmendem Alter reagieren die Körperzellen weniger sensibel auf Insulin. Der Zucker kann dadurch schlechter aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden.

  • Abnahme der Muskelmasse: Das Muskelgewebe beeinflusst den Zuckerhaushalt besonders stark, da Muskeln viel Energie in Form von Zucker verbrauchen. Der alterstypische Abbau von Muskeln kann daher auch zu einer trägeren Regulierung des Blutzuckers führen.

  • Veränderter Stoffwechsel: Mit zunehmendem Alter sinkt der Energiebedarf des Körpers. Wird die Ernährung nicht entsprechend angepasst, nimmt der Körper mehr Energie auf, als er verbraucht. Überschüssiger Zucker bleibt dann vermehrt im Blut, wodurch die Blutzuckerwerte ansteigen.

  • Reduzierte Bewegung: Viele Menschen bewegen sich im höheren Alter weniger, etwa durch gesundheitliche Beschwerden oder eingeschränkte Mobilität. Dadurch wird Zucker im Körper schlechter verarbeitet, der Blutzuckerspiegel kann leichter ansteigen.

  • Zunahme von Körperfett: Im höheren Alter nimmt bei den meisten Menschen der Körperfettanteil zu, insbesondere im Bauchbereich. Dieses Bauchfett ist hormonell aktiv und setzt Botenstoffe frei, die die Wirkung von Insulin abschwächen.

  • Ungesunde Lebensgewohnheiten: Ungünstige Angewohnheiten – wie eine zuckerreiche Ernährung oder Rauchen – können im Lauf der Jahre den Stoffwechsel belasten und das Risiko für Typ-2-Diabetes im Alter erhöhen.

  • Begleiterkrankungen und Medikamente: Typ-2-Diabetes tritt häufig gemeinsam mit Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen auf, die oft medikamentös behandelt werden müssen. Einige Medikamente wie bestimmte CortisonpräparateDiuretika (Wassertabletten) oder Betablocker können dabei den Blutzuckerspiegel erhöhen oder die Insulinwirkung abschwächen. Da ältere Menschen oft mehrere Medikamente einnehmen, kann sich dieser Effekt zusätzlich verstärken.

Wie kann man Typ-2-Diabetes erkennen?

Anders als Typ-1-Diabetes entwickelt sich der „Altersdiabetes“ meist schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg. Sie bleibt daher oft unbemerkt. Umso wichtiger ist es, mögliche Anzeichen zu kennen und entsprechend zu handeln.

  • Starker Durst: Bei hohen Blutzuckerwerten versuchen die Nieren, überschüssigen Zucker über den Urin auszuscheiden. Dadurch geht viel Flüssigkeit verloren, ein verstärktes Durstgefühl entsteht. Betroffene trinken daher deutlich mehr als üblich und haben häufig einen trockenen Mund.

  • Häufiger Harndrang: Durch die erhöhte Urinproduktion müssen Betroffene öfter zur Toilette, teilweise auch mehrmals in der Nacht.

  • Gewichtsverlust: Durch den Mangel an Zucker in den Zellen ist der Organismus gezwungen, vermehrt auf Fett- und Muskelreserven zur Energiegewinnung zurückzugreifen. Dies kann zu einem starken Gewichtsverlust bei Betroffenen führen.

  • Schlechte Wundheilung: Da ein erhöhter Blutzuckerspiegel die Abwehrkräfte des Körpers und die Durchblutung beeinträchtigt, heilen kleinere Verletzungen wie Kratzer, Druckstellen oder Hautrisse oft schlechter.

  • Kribbelnde Füße: Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven und die Durchblutung in den Füßen beeinträchtigen. Typische Anzeichen sind ein Kribbeln, Taubheitsgefühle oder vermindertes Schmerzempfinden.

  • Schlechteres Sehen: Erhöhte Blutzuckerwerte können den Flüssigkeitshaushalt im Auge verändern und die Linse beeinflussen. Dies kann zu Sehbeeinträchtigungen führen.

  • Trockene Haut: Durch den diabetesbedingten Flüssigkeitsmangel ist die Haut von Betroffenen oft trockener. Auch ein unangenehmer Juckreiz kann entstehen.

  • Müdigkeit und Erschöpfung: Obwohl ausreichend Zucker im Blut vorhanden ist, kann dieser aufgrund der gestörten Insulinwirkung nicht adäquat in die Zellen gelangen, um dort Energie zu liefern. Menschen mit Diabetes fühlen sich daher oftmals müde und kraftlos.

8 Tipps für die Pflege bei Diabetes im Alltag

Im Alltag können bereits kleine Unterstützungsmaßnahmen eine große Wirkung entfalten. Die folgenden Tipps helfen dabei, Menschen mit Diabetes im häuslichen Umfeld bestmöglich zu begleiten und ihre Selbstständigkeit zu fördern.

1. Routinen entwickeln und einhalten: Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Essenszeiten und Zeitfenstern für Bewegung und Ruhe kann helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Es lohnt sich daher, Ihr Familienmitglied bei der Entwicklung eines solchen Tagesplans zu begleiten und seine Einhaltung zu unterstützen.

2. Bewegung im Alltag fördern: Körperliche Aktivitäten unterstützen die Aufnahme von Zucker in die Zellen. Das kann den Blutzuckerspiegel positiv beeinflussen. Schon leichte Bewegung wie tägliches Spazierengehen oder einfache Gymnastikübungen können ein erster wichtiger Schritt sein.

3. Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen: Ausreichendes Trinken gleicht den diabetesbedingten Flüssigkeitsverlust aus. Behalten Sie das Trinkverhalten Ihres Familienmitglieds daher gut im Blick. Motivieren Sie immer wieder zum Trinken – zum Beispiel durch kleine Highlights im Getränkeangebot.

4. Selbstständigkeit und Verständnis fördern: Ein grundlegendes Verständnis für Diabetes hilft Betroffenen, bewusster mit ihrer Erkrankung umzugehen. Wenn Zusammenhänge – etwa zwischen Bewegung, Ernährung und Blutzucker – verständlich erklärt werden, kann es leichter fallen, im Alltag eigenständig und angemessen zu reagieren.

5. Körperwahrnehmung stärken: Damit Betroffene ein gutes Gespür für ihre Erkrankung entwickeln, sollten Sie die Signale ihres Körpers frühzeitig erkennen. Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche oder Unwohlsein können beispielsweise auf Veränderungen im Blutzuckerspiegel hinweisen. Pflegende Angehörige können die Körperwahrnehmung unterstützen, indem sie regelmäßig – aber unaufdringlich – nach dem Befinden fragen und gemeinsam ein Gespür für entsprechende Veränderungen und Zusammenhänge entwickeln.

6. Erhöhte Achtsamkeit bei der Fußpflege zeigen: Da das Schmerzempfinden in den Füßen bei Diabetes eingeschränkt sein kann, bleiben kleine Verletzungen oft unbemerkt. Eine regelmäßige Kontrolle der Füße, tägliches Eincremen und das Tragen gut sitzender Schuhe können Wunden vorbeugen.

7. Hautpflege unterstützen: Regelmäßiges Eincremen, insbesondere nach dem Waschen, kann die oft rissige und trockene Haut von Diabetiker*innen schützen und Infektionen vorbeugen.

8. Die Ernährung begleiten: Eine ausgewogene, zuckerreduzierte Ernährung ist bei Diabetes sehr wichtig. Für Betroffene kann die entsprechende Diät aber eine Belastung sein. Unterstützen Sie Betroffene daher, indem im Idealfall alle Personen im Haushalt die Ernährung gemeinsam umstellen. Das reduziert nicht nur den Aufwand beim Kochen, sondern sorgt auch dafür, dass Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied die eigenen Ernährungseinschränkungen als weniger hart empfindet. Versuchen Sie zudem, zuckerreduzierte, gesunde Snacks anzubieten, die zeigen, dass eine ausgewogene Ernährung nicht automatisch Opfer und Verzicht bedeuten muss.

Diabetes-taugliche Ernährung

Da die Ernährung den Blutzuckerspiegel direkt beeinflusst, kann eine gesunde Ernährungsweise die Auswirkungen der Erkrankung abmildern und das Wohlbefinden fördern:

  • Komplexe Kohlenhydrate: Lebensmittel wie Haferflocken, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte lassen den Blutzucker langsamer ansteigen als Weißmehlprodukte oder stark verarbeitete Kohlenhydrate. Sie verhindern dadurch starke Blutzuckerschwankungen. Zudem sind sie für den Körper und das Verdauungssystem weniger belastend.
  • Hochwertige Fette: Ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Quellen wirken sich positiv auf die Blutgefäße aus, die bei Diabetes ohnehin stark belastet sind. Geeignete Lebensmittel sind beispielsweise Nüsse, Samen, pflanzliche Öle oder Avocado. Vermieden werden sollten dagegen stark verarbeitete und gesättigte Fette, zum Beispiel in Wurstwaren, frittierten Speisen oder industriellen Backwaren.
  • Zuckerarme Ernährung: Zuckerhaltige Lebensmittel lassen den Blutzucker rasant in die Höhe schnellen. Süßigkeiten, gesüßte Getränke oder stark verarbeitete Snacks sollten daher nur selten konsumiert werden. Natürlicher Zucker aus Obst wirkt durch die enthaltenen Ballaststoffe weniger stark auf den Blutzucker und ist daher eine gesündere Alternative (die jedoch ebenfalls nur maßvoll konsumiert werden sollte).

  • Ballaststoffreiche Kost: Ballaststoffe unterstützen eine langsamere Aufnahme von Zucker aus dem Darm und tragen so zu gleichmäßigeren Blutzuckerwerten bei. Außerdem fördern sie die Verdauung und sorgen für ein längeres Sättigungsgefühl. Besonders ballaststoffreich sind Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen, Vollkornprodukte und Haferflocken sowie Gemüse und Obst wie Brokkoli, Karotten, Äpfel und Beeren.

  • Essenspausen einhalten: Regelmäßige Mahlzeiten und ebenso konsequente Pausen helfen, den Blutzucker stabiler zu halten, da der Zucker in den Pausen entsprechend abgebaut werden kann. Permanente „Nascherei“ sorgt dagegen für einen anhaltend hohen Blutzucker, wodurch der Körper permanent belastet wird.

Logi-Ernährungspyramide

Die LOGI-Methode (= Low Glycemic and Insulinemic) zielt darauf ab, den Blutzucker möglichst stabil zu halten. Die Ebenen der LOGI-Ernährungspyramide zeigen, wie häufig bestimmte Lebensmittel gegessen werden sollten: Lebensmittel aus den unteren Ebenen bilden die Basis der täglichen Ernährung und können häufiger auf dem Speiseplan stehen. Lebensmittel, die weiter oben eingeordnet sind, sollten dagegen seltener und in kleineren Mengen verzehrt werden.

1. Ebene – Gemüse, Salat und Obst: Salate und Gemüse in roher oder gekochter Form liefern viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Gleichzeitig lassen sie den Blutzucker nur langsam ansteigen. Sie sollten daher den größten Teil jeder Mahlzeit ausmachen. Gleiches gilt für Obst, das aufgrund seines höheren Zuckeranteils jedoch nur in Maßen konsumiert werden sollte.

2. Ebene – Eiweißreiche Lebensmittel: Fisch, Eier, Milchprodukte oder pflanzliche Eiweißquellen wie Tofu und Hülsenfrüchte tragen zu einer längeren Sättigung bei und fördern zudem den Muskelaufbau und die Regeneration. Da sie den Blutzucker zudem weniger stark belasten als viele kohlenhydratreiche Lebensmittel, sollten Proteine in keiner Mahlzeit fehlen – vor allem nicht am Abend.

3. Ebene – Vollkornprodukte und andere stärkereiche Lebensmittel: Vollkornbrot, Haferflocken oder Naturreis liefern viel Energie, sie enthalten aber auch Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel belasten. Daher sollten sie maßvoll gegessen werden und immer in Kombination mit Gemüse und Eiweiß.

4. Ebene – Weißmehlprodukte und Süßwaren: Lebensmittel wie Weißbrot, Kuchen oder Süßigkeiten lassen den Blutzucker schnell ansteigen. Sie sollten daher nur gelegentlichund nur in kleinen Mengen verzehrt werden.

Diabetes vorbeugen und stabil halten – was im Alltag wirklich hilft

Gerade beim Typ-2-Diabetes („Altersdiabetes“) spielen Lebensgewohnheiten eine entscheidende Rolle. Sie beeinflussen nicht nur das Risiko, überhaupt an Diabetes zu erkranken, sondern auch den weiteren Verlauf der Erkrankung. Durch gezielte Maßnahmen im Alltag lassen sich der Blutzuckerspiegel und das Fortschreiten der Erkrankung positiv beeinflussen.

  • Blutzuckerwerte im Blick behalten: Bei bestehendem Diabetes sind regelmäßige Blutzuckermessungen wichtig, um Veränderungen früh zu erkennen und die Ernährung entsprechend anzupassen. Besteht noch kein Diabetes, aber ein erhöhtes Risiko, sollten die Blutzuckerwerte in regelmäßigen Abständen ärztlich kontrolliert werden.
  • Körperliche Aktivitäten fördern: Bewegung ist ein bedeutsamer Faktor in der Diabetesprävention. Aktivieren Sie Ihr Familienmitglied deshalb immer wieder, Bewegung – beispielsweise durch einfache Bewegungsübungen oder Spaziergänge – regelmäßig in den Alltag zu integrieren. Schon leichte Aktivitäten können dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel positiv zu beeinflussen.

  • Das Körpergewicht im Blick behalten: Das Körpergewicht hat großen Einfluss auf den Stoffwechsel. Pflegende Angehörige sollten Pflegebedürftige mit Normalgewicht daher unterstützen, dieses zu halten. Bei Übergewicht kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme helfen, die Blutzuckerwerte zu stabilisieren.

  • Auf Medikamenteneinnahme achten: Medikamente – insbesondere Diabetesmedikamente und Insulin – müssen regelmäßig entsprechend der ärztlichen Verordnung eingenommen werden, um eine Entgleisung des Blutzuckerspiegels und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Feste Zeiten im Tagesablauf können helfen, die Einnahme nicht zu vergessen. Zudem können auch intelligente Pillendosen, Apps und andere Hilfsmittel dabei unterstützen, die Medikamente zuverlässig einzunehmen.

  • Stressreduktion: Anhaltender Stress kann dazu führen, dass der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet, die den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Aus diesem Grund sind stressreduzierende Maßnahmen, beispielsweise durch Atem- und Meditationsübungen oder kurze Ruhephasen, im Alltag besonders empfehlenswert. Auch ein ausgewogener Schlaf-Wach-Rhythmus  kann dazu beitragen, den Körper zu entlasten und die Blutzuckerwerte stabiler zu halten.

Was tun im Ernstfall? Unter- und Überzuckerung erkennen und handeln

Schwankungen des Blutzuckerspiegels gehören zum Alltag mit Diabetes. Für pflegende Angehörige ist es daher besonders wichtig, typische Tiefen und Spitzen im Blutzuckerspiegel und deren Auswirkungen von einer ernsthaften Unter- oder Überzuckerung zu unterscheiden, um im Bedarfsfall richtig zu reagieren.

Unterzuckerung (Hypoglykämie):

Mediziner*innen sprechen von einer Unterzuckerung, wenn der Blutzuckerspiegel stark abgefallen ist und der Blutzuckerwert bei unter 70 mg/dl liegt.

-> Ursachen: zu geringe Nahrungsaufnahme, zu starke körperliche Belastung oder eine falsche Dosierung von Medikamenten

-> Anzeichen: Zittern, Schwitzen, ein starkes Hungergefühl, Schwindel sowie Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Blässe oder Herzrasen

-> Maßnahmen: Kontrolle des Blutzuckers und ggf. Gabe von schnell wirksamem Zucker (z. B. Traubenzucker, reife Bananen oder zuckerhaltige Getränke).

Überzuckerung (Hyperglykämie):

Von einer Überzuckerung ist die Rede, wenn der Blutzuckerspiegel deutlich erhöht ist und Werte über etwa 180 mg/dl erreicht.

-> Ursachen: eine sehr kohlenhydratreiche Ernährung, zu wenig Insulin im Körper oder eine unzureichende Wirkung der Medikamente

-> Anzeichen: starker Durst, häufiger Harndrang, trockener Mund, Müdigkeit, Sehstörungen, ein süßlich riechender Atem, vertiefte Atmung (Kussmaul-Atmung)

-> Maßnahmen: Kontrolle des Blutzuckers und ggf. ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser oder ungesüßter Tee), Vermeidung körperlicher Anstrengung; bei starker Schläfrigkeit oder Bewusstlosigkeit umgehend ärztliche Hilfe verständigen.