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Ratgeber

Badespaß trotz Einschränkungen: So gelingt die Abkühlung für Pflegebedürftige an heißen Tagen

Für ältere und pflegebedürftige Menschen kann die Hitze des Sommers besonders belastend sein, zumal Erfrischungsmöglichkeiten wie ein Sprung ins kühle Nass für sie meist nicht ohne Weiteres möglich sind. Allerdings bedeutet dies keinesfalls, dass Pflegebedürftige auf Abkühlung und Erfrischung gänzlich verzichten müssen. Denn mit den richtigen Ideen lassen sich auch bei Pflegebedürftigkeit sommerliche Badeerlebnisse gestalten.

Für ältere und pflegebedürftige Menschen kann die Hitze des Sommers besonders belastend sein, zumal Erfrischungsmöglichkeiten wie ein Sprung ins kühle Nass für sie meist nicht ohne Weiteres möglich sind. Allerdings bedeutet dies keinesfalls, dass Pflegebedürftige auf Abkühlung und Erfrischung gänzlich verzichten müssen. Denn mit den richtigen Ideen lassen sich auch bei Pflegebedürftigkeit sommerliche Badeerlebnisse gestalten.

 Hitze im Alter – eine besondere Herausforderung

Mit zunehmendem Lebensalter kann der Körper seine Temperatur schlechter regulieren als in jüngeren Jahren – aus verschiedenen Gründen: Ältere Menschen schwitzen meist weniger, die Haut wird schlechter durchblutet und die Blutgefäße reagieren langsamer auf Temperaturveränderungen. Überschüssige Wärme kann vom Körper dadurch nicht mehr so wirksam abgegeben werden. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen Hitze und Durst weniger deutlich wahrnehmen. Sie trinken daher oft zu wenig oder bemerken erst spät, dass ihnen die hohen Temperaturen zusetzen. Das erhöht das Risiko für Kreislaufbeschwerden und andere hitzebedingte Gesundheitsprobleme.

Wasser erleben: Diese Annehmlichkeiten können Wassererlebnisse für Menschen mit Einschränkungen bieten

Im Wasser entstehen besondere Bewegungs- und Sinneserfahrungen, von denen Menschen mit einer Behinderung auf vielfältige Weise profitieren können:

  • Angenehme Entlastung: Der Auftrieb im Wasser verringert die Belastung durch das eigene Körpergewicht und erleichtert dadurch viele Bewegungen.
  • Mehr Selbstständigkeit: Bewegungen, die an Land nur mit Unterstützung möglich sind, können im Wasser häufig selbstständig ausgeführt werden.
  • Neue Körperpositionen: Beim Schweben im Wasser lassen sich Positionen einnehmen, die außerhalb des Wassers mit körperlichen Einschränkungen kaum möglich wären.
  • Vielfältige Sinnesreize: Temperatur, Wasserdruck und Licht wirken unmittelbar auf die Haut und regen die Wahrnehmung auf unterschiedliche Weise an.
  • Ein neues Körpergefühl: Die Erfahrung von Leichtigkeit und Auftrieb kann das Körpergefühl verändern und sich positiv auf das psychische Wohlbefinden auswirken.

Ein Schwimmbadbesuch mit Pflegebedürftigen: Das sollten Sie beachten.

Zugegeben: Es mag herausfordernd klingen, mit einer pflegebedürftigen Person ein Schwimmbad zu besuchen. Doch gerade bei einer leichteren Pflegebedürftigkeit lässt sich ein gemeinsamer Badbesuch oft gut gestalten, wenn einige Hinweise beachtet werden.

1. Barrierearme Schwimmbäder: Nicht jedes Schwimmbad ist gleichermaßen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet. Eine Orientierung bei der Suche nach barrierearmen Bademöglichkeiten bieten Internetauftritte wie „Reisen für alle“ (mit dem Suchbegriff „Freibad“), wheelmap.org, baederleben.de oder das Schwimmbadlifter-Verzeichnis von handimove.de. Achten Sie bei der Suche nicht nur auf einen problemlosen Zugang zum Bad, sondern auch auf barrierefreie Umkleiden und Sanitäranlagen sowie einen geeigneten Beckeneinstieg. Da die Angaben in den Verzeichnissen nicht immer vollständig oder aktuell sind, empfiehlt sich vor dem Besuch zudem ein Anruf im Bad. Fragen Sie dabei gezielt nach Handläufen, einer Rampe, einer breiten, flachen Einstiegstreppe oder einem Beckenlift.

2. Seniorengerechte Schwimmhilfen: Je nach Mobilität und Gesundheitszustand können verschiedene Schwimmhilfen den Aufenthalt im Wasser sicherer und angenehmer machen. Besonders geeignet sind Auftriebsgürtel, Schwimmnudeln, seniorengerechte Schwimmwesten oder Schwimmbretter. Doch Achtung: Auch mit Schwimmhilfe sollte jederzeit eine Begleitperson in der Nähe bleiben.

3. Sorgfältige Planung: Eine gute Planung erleichtert Ihnen und Ihrem Familienmitglied den Badbesuch. Wählen Sie eine geeignete Uhrzeit, zum Beispiel in den kühleren Morgenstunden, in denen die meisten Bäder noch nicht zu voll sind. Achten Sie zudem auch auf Details wie die Lage des Parkplatzes, die Möglichkeiten zur Verpflegung und die Verfügbarkeit von Schattenplätzen. Da ein Badbesuch kräftezehrend ist, sollte er der einzige größere Programmpunkt für den Tag sein.

4. Positive Beschäftigung: Der Aufenthalt im Wasser bietet viele Beschäftigungsmöglichkeiten, die sich gut an die körperliche Fitness Ihres Familienmitgliedes anpassen lassen. Pflegebedürftige können nach Gegenständen greifen, einen Wasserball benutzen oder ihre Gelenke sanft im Wasser bewegen. Auch Schweben und der vertrauensvolle Körperkontakt im Wasser schaffen besondere Körpererfahrungen. Lassen Sie Ihrem Familienmitglied aber unbedingt genug Zeit, um sich an das Wasser zu gewöhnen.

5. Realistische Erwartungen: Es kann gut sein, dass Ihr Familienmitglied trotz sorgfältiger Vorbereitungen nur kurze Zeit im Wasser sein möchte. Lassen Sie sich davon nicht enttäuschen. Entscheidend ist, was Ihrem Familienmitglied Freude bereitet, auch wenn es nur die Füße ins kalte Wasser hält oder Spaß daran hat, das sommerliche Treiben aus einiger Distanz zu beobachten.

6. Nachträgliche Hautpflege: Chlorwasser kann die Haut austrocknen und reizen. Das betrifft ältere Menschen besonders, da ihre Haut dünner, trockener und empfindlicher ist. Nach dem Baden sollte das Chlor daher unter einer lauwarmen Dusche abgespült werden. Tupfen Sie die Haut anschließend vorsichtig trocken und tragen Sie eine parfümfreie, rückfettende Pflegecreme auf.

Checkliste für den Schwimmbadbesuch mit Pflegebedürftigen

Beim Schwimmbadbesuch mit Ihrem pflegebedürftigen Familienmitglied sollten folgende Utensilien nicht fehlen:

  • Badebekleidung
  • Handtücher
  • Badeschuhe (mit rutschfester Sohle)
  • Sonnencreme, Sonnenhut und ggf. Sonnenschirm
  • ausreichend Getränke
  • leichte gesunde Snacks
  • Wechselkleidung
  • notwendige Medikamente + Notfallmedikamente
  • ggf. Schwimmhilfe

Badespaß zu Hause: Erfrischung für Terrasse, Balkon und Garten

Nicht jede pflegebedürftige Person kann oder möchte ein Schwimmbad besuchen. Zudem fühlt sich nicht jede Pflegeperson wohl damit, einen solchen Ausflug zu begleiten. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Pflegebedürftige nicht doch in den Genuss von sommerlichen Wassererlebnissen kommen können. Denn auch zu Hause lassen sich mit etwas Kreativität erfrischende Abkühlungsmöglichkeiten gestalten.

  • Kneipp-Spaziergänge: Viele Kneipp-Anlagen sind mittlerweile barrierearm gestaltet, sodass auch Pflegebedürftige die bekannten Kneippübungen durchführen können. Ebenso können die naturheilkundlichen Anwendungen nach Sebastian Kneipp auch zu Hause mit geringem Aufwand umgesetzt werden. Es genügen bereits zwei Wannen, die mit warmem (ab 38 °C) und kühlerem Wasser (ca. 20 °C) gefüllt werden und in die die pflegebedürftige Person dann abwechselnd – zunächst 5 Minuten im warmen, dann ca. 15 Sekunden im kalten Wasser – ihre Füße eintauchen kann.
  • Arm-Kneippen: Eine Alternative zum herkömmlichen Kneippen ist das Arm-Kneippen. Hierbei werden die Unterarme (bis zum Ellenbogen) kurz mit kühlem Wasser übergossen oder in eine Schüssel mit Wasser eingetaucht.
  • Aufstellbarer Pool: Sofern die pflegebedürftige Person noch stabil sitzen kann – ähnlich wie beim Baden in einer Badewanne – kann auch das Bad in einem Pool eine erfrischende Abkühlung bieten. Gut eignen sich Pools mit einem stabilen Rand und einer aufstellbaren Poolleiter mit einem Handlauf und möglichst breiten Stufen. Begleiten Sie Ihr Familienmitglied beim Benutzen der Leiter am besten von beiden Seiten mit zwei Personen. Für den notwendigen Komfort können Duschsitze aus dem Bad sorgen. Stellen Sie diese am besten auf eine rutschfeste Matte, die auch die Poolfolie vor Beschädigungen schützt. Niedrigere Planschbecken mit weichem Rand können ebenfalls gut genutzt werden, allerdings sollte der Rand möglichst schmal sein, damit Ihr Familienmitglied beim Übertreten des Randes keine Probleme bekommt.
  • Fußbad: Ein Fußbad lässt sich leicht in den Alltag integrieren und kann so an heißen Tagen problemlos zu einem festen Sommerritual werden. Ist ein Kinderplanschbecken vorhanden, kann sich die pflegebedürftige Person mit einem Stuhl ans Planschbecken setzen und die Füße ins Wasser tauchen. Ebenso funktioniert das Bad mit einem stabilen Eimer oder einer großen Schüssel. Zusätze wie Minze oder Zitronenscheiben können erfrischend wirken und die Füße angenehm pflegen.
  • Wasserspiele: Einfache Wasserspiele lassen sich gut an die Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person anpassen. Eine erfrischende Beschäftigungsmöglichkeit ist beispielsweise ein „Unterwasser-Memory“, bei dem Gegenstände wie Münzen oder kleine Figuren in eine Schüssel mit Wasser gelegt und gemeinsam gesucht oder sortiert werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Memory mit farbigen Kieselsteinen, die paarweise aus dem Wasser herausgesucht werden müssen. Im Internet lassen sich viele weitere Ideen für Wasserspiele mit älteren Menschen finden – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Abkühlung? Nicht immer empfehlenswert.

Nicht jede pflegebedürftige Person empfindet die Hitze oder den Wunsch nach Abkühlung gleich. Einige ältere Menschen frieren selbst an warmen Sommertagen und erachten kühlende Anwendungen daher als unangenehm. Andere sind schlichtweg „wasserscheu“. Schließen Sie daher nicht von Ihrem eigenen Wärmeempfinden auf die Bedürfnisse Ihres Familienmitgliedes, sondern vergewissern Sie sich, ob eine Abkühlung tatsächlich willkommen ist. Bei offenen Wunden, akuten Infekten oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen sollten Sie auf intensivere Wasseranwendungen lieber verzichten.

Erfrischung am Pflegebett: Wasserspaß für Bettlägerige

Auch bettlägerige Menschen müssen an heißen Sommertagen nicht auf Abkühlung verzichten, denn mit einfachen Ideen lässt sich die willkommene Abkühlung auch ans Pflegebett bringen. Dabei steht allerdings weniger das „Baden“ als vielmehr das Erleben von Erfrischung, Entspannung und schönen Sinneserfahrungen im Fokus.

  1. Sinneserlebnisse mit Wasser: Kleine Übungen können nicht nur erfrischend sein, sondern auch dazu anregen, das Element Wasser bewusst wahrzunehmen.
    Fühlen: Bereiten Sie kleine Schüsseln mit unterschiedlich temperiertem Wasser vor, in die die pflegebedürftige Person nacheinander die Hände oder auch nur einzelne Finger eintauschen kann. Als Übung können kleine Gegenstände wie Steine, Muscheln oder ähnliches im Wasser ertastet werden. Bei starker Pflegebedürftigkeit kann die bettlägerige Person mit unterschiedlichen, aber immer angenehm temperierten Waschlappen an verschiedenen Körperstellen sanft berührt werden.
    Hören: Lassen Sie Wasser langsam aus einer kleinen Kanne in eine Schüssel plätschern. Auch die Klänge von Regen, Wellen und einem Bach können angenehm sein und beruhigend wirken.
    Sehen:Füllen Sie eine durchsichtige Schale mit Wasser und geben Sie beispielsweise Blüten und Blätter oder einen Tropfen Lebensmittelfarbe hinein. Beobachten Sie dann gemeinsam die sanften Bewegungen und Verfärbungen im Wasser.
  2. Zimmerbrunnen: Sofern verfügbar, können Sie auch einen kleinen Zimmerbrunnen stundenweise neben dem Pflegebett aufstellen, damit Ihr Familienmitglied das Plätschern und Rauschen des Wassers wahrnehmen und das Wasserspiel beobachten kann. Achten Sie jedoch darauf, den Brunnen nicht zu lange aufzustellen, da das Plätschern gegebenenfalls stören kann. Zudem bringt ein Brunnen im Dauereinsatz auch einen entsprechenden Pflegebedarf mit sich, damit das Wasser nicht zu einer Keimbelastung führt.
  3. Erfrischung mit Sprühflaschen: Ein feiner Wassernebel aus einer Sprühflasche kann das Gesicht, die Arme oder auch die Beine angenehm erfrischen. Achten Sie allerdings darauf, die pflegebedürftige Person nicht zu erschrecken und die Sprühflasche möglichst fein einzustellen.
  4. Handbad am Bett: Ein kleines Handbad kann auch direkt am Pflegebett durchgeführt werden. Stellen Sie dafür eine standsichere Schüssel mit angenehm kühlem Wasser auf einen Tisch neben das Bett. Lassen Sie Ihr Familienmitglied dann die Hand immer wieder ins Wasser eintauchen, solange es Freude daran hat.
  5. Kühlende Wickel: Kühlende (aber nicht eiskalte) Wickel und Umschläge sind schnell vorbereitet. Sie können das Hitzeempfinden lindern und werden besonders an Stirn, Nacken, Waden oder Handgelenken als angenehm empfunden.
  6. Imagination: Nicht jedes Wassererlebnis muss auch in der Realität stattfinden. Ist Ihr Familienmitglied in der Lage, eine entsprechende Mediaion anzuhören, können Sie zum Beispiel eine seniorengerechte Fantasiereise zum Gang am Wasser erzählen oder eine Meditationsgeschichte zu einem Spaziergang am Meer abspielen. Auf diese Weise können Sie Ihr Familienmitglied zumindest mental in die Natur und ans erfrischende Nass „entführen“.

Weitere Sommerideen für Senior*innen in unserem Blog

Der gemeinsame Badespaß ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die heißen Sommermonate auch bei Pflegebedürftigkeit miteinander zu genießen. In unserem Ratgeber „Sommerideen für Senioren“ finden Sie weitere Anregungen für abwechslungsreiche sommerliche Beschäftigungen mit Ihrem pflegebedürftigen Familienmitglied.