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Ratgeber

Sanfte Unterstützung: Naturheilkunde im Pflegealltag wirksam nutzen

Die bewährten Mittel der Naturheilkunde bieten gerade für ältere Menschen viele positive Effekte. Sie können Beschwerden lindern und das Wohlbefinden stärken. Dabei knüpfen sie an vertraute Hausmittel und traditionelle Erfahrungen an. Doch welche Anwendungen eignen sich für Pflegebedürftige besonders gut? Worauf sollte man als Pflegeperson achten? Und wo liegen die Grenzen? Unser Beitrag gibt einen Überblick über bewährte Mittel der Naturheilkunde sowie wichtige Hinweise für den Alltag.

Die bewährten Mittel der Naturheilkunde bieten gerade für ältere Menschen viele positive Effekte. Sie können Beschwerden lindern und das Wohlbefinden stärken. Dabei knüpfen sie an vertraute Hausmittel und traditionelle Erfahrungen an. Doch welche Anwendungen eignen sich für Pflegebedürftige besonders gut? Worauf sollte man als Pflegeperson achten? Und wo liegen die Grenzen? Unser Beitrag gibt einen Überblick über bewährte Mittel der Naturheilkunde sowie wichtige Hinweise für den Alltag.

Was genau bedeutet Naturheilkunde und woher stammt sie?

Die Naturheilkunde umfasst verschiedene Heilmethoden, die auf natürlichen Heilmitteln und einem ganzheitlichen Ansatz beruhen. Das bedeutet, dass nicht nur einzelne Beschwerden betrachtet werden, sondern der Mensch insgesamt. Ziel der Naturheilkunde ist es, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.

Die Nutzung heilender Pflanzen und natürlicher Arzneimittel reicht dabei bis in die frühen Anfänge der Menschheit zurück. Einen wichtigen Meilenstein für die europäische Naturheilkunde stellten die Forschungen der Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) dar. Die Ordensfrau verband das Wissen der Volksmedizin mit eigenen Beobachtungen und entwickelte so ein Gesundheitsverständnis, das den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet.

Hildegard von Bingen setzte auf natürliche Heilmittel, eine ausgewogene Lebensweise und die enge Verbindung zur Natur. Ihre Grundidee prägt die Naturheilkunde bis heute: Beschwerden sollen möglichst schonend gelindert und das körperliche sowie seelische Gleichgewicht gestärkt werden.

Naturheilkunde ist im modernen medizinischen Verständnis als Ergänzung zur konventionellen Medizin zu sehen, aber nicht als Ersatz.

Die 5 Säulen der Naturheilkunde (nach Kneipp)

Ein weiterer wichtiger Vertreter der Naturheilkunde istPfarrer Sebastian Kneipp. Mit seinem ganzheitlichen Gesundheitskonzept, das er in seinen „5 Säulen der Naturheilkunde“ festgehalten hat, prägt er naturheilkundliche Ansätze bis heute.

  • Heilpflanzen (Phytotherapie): Die gezielte Anwendung von Kräutern und pflanzlichen Wirkstoffen unterstützt die Gesundheit und das Wohlbefinden.
  • Wasseranwendungen (Hydrotherapie): Anwendungen wie Wickel, Bäder oder Waschungen regen den Kreislauf an und fördern die Regeneration.
  • Bewegung: Regelmäßige, sanfte körperliche Aktivität fördert die Mobilität, die Durchblutung und die allgemeine Fitness.
  • Ernährung: Eine ausgewogene und möglichst naturbelassene Ernährung ist eine wichtige Basis für Gesundheit und Vitalität.
  • Lebensordnung: Ein bewusster Lebensstil mit einer gesunden Balance zwischen Aktivität und Erholung kann das Wohlbefinden steigern.

Warum ist die Naturheilkunde für Pflegebedürftige besonders gut geeignet?

Naturheilkundliche Therapien können die Gesundheit positiv beeinflussen und gelten zugleich als gut verträglich. Gerade deshalb sind sie für ältere und pflegebedürftige Menschen besonders empfehlenswert.

  • Sanfte Wirkweise: Naturheilkundliche Anwendungen wie Wärmewickel oder Kräuterbäder setzen auf langsame, schonende Prozesse anstatt auf schnelle, abrupte Veränderungen. Sie passen damit gut zu den Ansprüchen des empfindlicheren Organismus älterer Menschen.
  • Geringere Nebenwirkungen: Naturheilkundliche Anwendungen werden oft besser vertragen als herkömmliche Medikamente, weil gut verträgliche, natürliche Wirkstoffkombinationen verwendet werden. Nebenwirkungen treten dadurch seltener oder weniger stark auf. Gerade für ältere Menschen, die häufig bereits mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, kann die Naturheilkunde so eine entlastende Ergänzung zur Symptomlinderung sein.
  • Weniger Belastung für Leber und Nieren: Beim Abbau und der Ausscheidung von Medikamenten spielen Leber und Nieren eine zentrale Rolle. Sie arbeiten im Alter jedoch langsamer. Naturheilkundliche Anwendungen wie Tees oder Wickel können den Abbauprozess sanft begleiten und den Körper so bei der Entgiftung von Leber und Niere unterstützen. 
  • Vielseitige Wirkung: Naturheilverfahren wirken oft nicht nur für ein einzelnes Symptom, sondern unterstützen den gesamten Organismus. So kann ein warmes Kräuterbad beispielsweise gleichzeitig entspannen, Schmerzen lindern und das Wohlbefinden steigern – eine Mehrfachwirkung, die besonders wertvoll ist.
  • Längerfristige Anwendung: Viele naturheilkundliche Maßnahmen eignen sich gut für eine regelmäßige Anwendung über längere Zeit. Dadurch können sie helfen, Beschwerden kontinuierlich zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden längerfristig zu stabilisieren – gerade bei chronischen Beschwerden.
  • Förderung der Selbstheilungskräfte: Ein zentrales Ziel der Naturheilkunde ist es, nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern die natürlichen Regenerationsprozesse des Körpers zu stärken. Dadurch kann langfristig eine Stabilisierung des Gesundheitszustandes erreicht werden.
  • Etablierung positiver Rituale: Eine Einreibung mit belebenden Aromaölen nach der Morgenpflege, ein warmer Wickel am Abend oder ein Entspannungsbad am Wochenende – naturheilkundliche Verfahren bringen fast immer einen „Wohlfühlfaktor“ mit sich. Durch wiederkehrende Anwendungen können so kleine, wohltuende Rituale im Pflegealltag geschaffen werden.
  • Unkomplizierte, kostengünstige Anwendung: Naturheilkundliche Verfahren lassen sich meist ohne großen Aufwand zu Hause umsetzen. Ein Tee, eine Wärmflasche oder ein Wickel sind schnell vorbereitet und gut in alltägliche Abläufe zu integrieren. Die Mittel für die Behandlung sind zudem preiswert erhältlich oder sogar schon im Haushalt vorhanden.
  • Anknüpfen an bekannte Traditionen: Pflanzliche Hausmittel waren in früheren Jahren oft die erste Wahl, weil moderne Medikamente noch nicht in ihrer heutigen Form zur Verfügung standen. Viele Anwendungen der Naturheilkunde sind älteren Menschen daher gut bekannt – eine Vertrautheit, die helfen kann, dass sich Pflegebedürftige leichter auf entsprechende Anwendungen einlassen können.

Die Dosis macht das Gift

Es ist ein weitverbreiteter Trugschluss, dass pflanzliche Mittel grundsätzlich harmlos sind, nur weil sie „natürlich“ wirken. Auch Heilpflanzen beeinflussen mit ihren Wirkstoffen die Prozesse im Körper und können bei zu hoher Dosierung daher auch schädlich sein. Für die Heilmittel der Naturheilkunde gilt daher grundsätzlich die gleiche Regel wie für klassische Medikamente: Die richtige Menge entscheidet über Nutzen oder Risiko. Da naturheilkundliche Verfahren allerdings als sehr milde gelten, ist die Gefahr einer Überdosierung geringer als in der konventionellen Medizin.

Mögliche Anzeichen für eine Überdosierung:

  • Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Durchfall)
  • Schwindel oder Kreislaufprobleme
  • Kopfschmerzen oder Unruhe
  • Hautreaktionen (z. B. Rötungen, Juckreiz)
  • Verstärkte Müdigkeit oder Benommenheit

Was hilft wann? – Pflanzliche Mittel bei typischen Beschwerden im Alter

Viele naturheilkundliche Mittel lassen sich gezielt zur Linderung von Beschwerden einsetzen.  Die folgende Übersicht zeigt bewährte Anwendungsmöglichkeiten:

Erkältung: Bei Erkältungen setzen viele Menschen auf pflanzliche Unterstützung für Atemwege und Schleimhäute:

  • Thymian: Als Tee oder zur Inhalation angewendet, kann das Heilkraut die Atemwege entlasten und beim Abhusten helfen.
  • Salbei: Die Blätter, aber auch die Blüten der Salbeipflanze werden bei Halsschmerzen gerne als Tee getrunken oder gegurgelt.​​​​​​
  • Kamille: Als Inhalation oder Tee eingesetzt, wirkt die Kamille beruhigend und entzündungslindernd auf Schleimhäute.

Verdauungsprobleme: Zur Unterstützung von Magen und Darm kommen traditionell verschiedene Kräuter zum Einsatz.

  • Fenchel: Als Tee zubereitet, wirkt Fenchel entblähend und beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt.
  • Kümmel: Das Heilkraut wird oft als Tee oder in Tropfenform eingesetzt, um die Verdauung zu unterstützen.
  • Kurkuma: Das Gewürz regt die Produktion von Magensaft und Gallenflüssigkeit an.

Kopfschmerzen: Auch bei leichten Kopfschmerzen können natürliche Mittel für Linderung sorgen.

  • Pfefferminze: Als Öl äußerlich auf Schläfen und Stirn aufgetragen, hat Minze einen kühlenden Effekt. Sie kann leichte Kopfschmerzen lindern.
  • Weidenrinde: Als Tee oder in Tablettenform eingenommen, wirken die natürlichen Inhaltsstoffe der Weidenrinde schmerzlindernd.

Schlafstörungen: Bei Einschlafproblemen greifen viele Menschen auf beruhigende Heilpflanzen zurück.

  • Lavendel: Als Tee, Badezusatz oder Duftöl auf dem Kopfkissen angewendet, kann Lavendel beruhigend wirken und das Einschlafen erleichtern.
  • Baldrian: Das Heilkraut kann als Tropfen oder Tabletten eingenommen werden, um leichter zur Ruhe zu kommen und besser einzuschlafen.

Innere Anspannung / Unruhe: Bestimmte Heilpflanzen werden traditionell zur Entspannung und Beruhigung verwendet.

  • Passionsblume: Häufig als Tee oder in Tropfenform angewendet, unterstützt die Passionsblume bei Nervosität.
  • Melisse: Die ätherischen Öle der Heilpflanze wirken entspannend und können so dabei helfen, besser zur Ruhe zu kommen.

Konzentrationsschwäche: Einige Heilpflanzen und ihre Aromen können anregend wirken und die Aufmerksamkeit fördern.

  • Rosmarin: Als Duftöl oder Einreibung genutzt, können die ätherischen Öle der Rosmarinpflanze die Aufmerksamkeit fördern.
  • Pfefferminze: Als Tee oder Duft angewendet, kann Minze nicht nur schmerzlindernd, sondern auch geistig anregend wirken.

Depressive Verstimmung: Einige pflanzliche Mittel werden auch zur Aufhellung der Stimmung eingesetzt. Sie sind dabei jedoch nur als ergänzende Unterstützung zu verstehen, ersetzen aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

  • Johanniskraut: Das häufig als Tee oder in Tablettenform eingenommene Heilkraut kann durch seine Wirkung auf Botenstoffe im Nervensystem die Stimmung positiv beeinflussen.
  • Safran: Über die Nahrung, als Tee oder in Kapseln eingenommen, wird Safran eine stimmungsaufhellende Wirkung zugeschrieben.

Trockene und rissige Haut: Natürliche Pflegeprodukte können die empfindliche und beanspruchte Haut älterer Menschen sanft versorgen.

  • Ringelblume: Als Salbe aufgetragen, kann die Ringelblume gereizte und beanspruchte Haut beruhigen und die natürliche Regeneration der Haut unterstützen.
  • Mandelöl: Das fettige Öl von Mandelkernen kann direkt auf die Haut aufgetragen werden, um diese mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Wohltuende Anwendungen

Naturheilkundliche Anwendungen lassen sich auf vielfältige Weise einsetzen und individuell an die Bedürfnisse im Pflegealltag anpassen

  • Wärmewickel: Ein Tuch oder ein Waschlappen werden mit warmem Wasser und – nach Belieben – mit Kräuterzusätzen wie Kamille, Thymian oder Lavendel versetzt, auf die gewünscht Körperpartie gelegt und mit einem trockenen Tuch abgedeckt. Besonders gut eignen sich Wärmewickel am Bauch, Nacken oder Rücken. Die Wärme der Wickel fördert an der platzierten Stelle die Durchblutung und kann so Schmerzen und Verspannungen lindern. Die Anwendung gilt als beruhigend und eignet sich daher besonders für die Abendroutine.

  • Kalte Waschungen: Die kalte Waschung orientiert sich an den kneippschen Wasseranwendungen. Sie regt den Kreislauf an und eignet sich daher besonders zur Aktivierung am Morgen. Arme, Beine oder das Gesicht werden mit einem kühlen Waschlappen sanft abgewaschen. Auf Wunsch können Zusätze wie Rosmarin oder Zitrone die anregende Wirkung verstärken.
  • Fußbäder: Ein wohltuendes Fußbad mit lauwarmem Wasser und Kräuterzusätzen sorgt für Entspannung und eine bessere Durchblutung. Es ist zudem eine gute Ergänzung in der Fußpflege.
  • Einreibungen: Mit ruhigen und gleichmäßigen Bewegungen werden die Haut oder bestimmte Muskelpartien unter der Verwendung entsprechender Öle und Salben sanft massiert. Verspannungen können si gelöst und pflegebedürftigen Personen noch dazu ein wertvoller Moment der Entspannung geschenkt werden.
  • Aromen und ätherische Öle: Sanfte Düfte können bei der Aromapflege gezielt eingesetzt werden, um die Stimmung zu beeinflussen. Während beruhigende Düfte vor allem am Abend oder bei Unruhe hilfreich sind, können frische, aktivierende Aromen tagsüber neue Energie geben. Ätherische Öle lassen sich gut über Duftkissen, Duftlampen oder als Zusatz in Pflegeölen nutzen.
  • Inhalationen: Beim Inhalieren wird Wasserdampf – häufig versetzt mit Zusätzen wie Kamille oder Thymian – eingeatmet, um die Atemwege zu befeuchten, festsitzenden Schleim zu lösen und die Atmung zu erleichtern. Besonders in der Erkältungszeit oder bei trockenen Atemwegen können Inhalationen eine wohltuende Entlastung sein. Zum Inhalieren ist nicht zwingend ein professionelles Gerät erforderlich. Auch eine Schale mit warmem Wasser und ein Tuch über dem Kopf reichen bereits aus.
  • Tees: Eine Tasse frisch zubereiteter Kräutertee kann auf unterschiedliche Weise unterstützen. So kann Tee je nach der Zusammenstellung der Wirkstoffe beruhigend, verdauungsfördernd oder stärkend wirken. Gleichzeitig tragen Tees als regelmäßiges Trinkangebot dazu bei, die im Alter oft mangelhafte Flüssigkeitszufuhr zu verbessern. Das bewusste Genießen des aromatischen Tees kann zudem schöne kleine Pausen im Alltag schaffen und dadurch einen positiven Beitrag für die Tagesstruktur geben.

 

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Auch wenn naturheilkundliche Mittel als sehr mild gelten, sollte bei der Anwendung auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geachtet werden. Gerade Pflegebedürftige nehmen oft vielfältige Arzneimittel – meist gleichzeitig – ein, wodurch sich Wirkungen verstärken oder abschwächen können.

Einige bekannte Beispiele:

  • Johanniskraut kann die Wirkung von Antidepressiva, Blutverdünnern oder Herzmedikamenten beeinflussen, da es bestimmte Enzyme in der Leber aktiviert und Medikamente dadurch schneller abgebaut werden können.
  • Ginkgo kann das Risiko für Blutungen erhöhen, weil er die Blutgerinnung beeinflussen kann – besonders in Kombination mit Medikamenten zur Blutverdünnung.
  • Knoblauchpräparate können ebenfalls die Blutgerinnung beeinflussen und dadurch blutverdünnend wirken.
  • Grapefruit (auch als Saft) kann den Abbau bestimmter Medikamente verändern, da die Inhaltsstoffe den Arzneimittelstoffwechsel in der Leber hemmen können.

Wann kann Naturheilkunde helfen – und wann sollte man ärztlichen Rat einholen?

Naturheilkundliche Anwendungen können eine wertvolle Unterstützung sein, besonders bei leichten Beschwerden. Sie eignen sich gut, um das allgemeine Wohlbefinden zu fördern und den Pflegealltag sanft zu begleiten. Auch bei chronischen Beschwerden können sie ergänzend eingesetzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern.

Doch die Naturheilkunde hat Grenzen. Bei starken Schmerzen, akuten Erkrankungen, unklaren Symptomen oder plötzlichen Veränderungen des Gesundheitszustands sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Auch bei bestehenden Erkrankungen und der Einnahme mehrerer Medikamente ist eine Abstimmung mit medizinischem Fachpersonal empfehlenswert.

Naturheilkunde und Schulmedizin lassen sich demnach gut miteinander kombinieren: Während naturheilkundliche Anwendungen den Gesundheitszustand im Alltag ergänzend und langfristige unterstützen können, ist bei akuten Erkrankungen die ärztliche Behandlung das erste Mittel der Wahl.