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Ratgeber

Wer pflegt die Seele? – Anregungen zur Selbstsorge in der Pflege

Selbstsorge in der Pflege ist im Pflegealltag genauso wichtig wie die Sorge um eine pflegebedürftige Person selbst. Doch häufig sind Pflegepersonen durch die Belastungen der Pflege so in Beschlag genommen, dass sie den Blick auf eigene Bedürfnisse und Grenzen vernachlässigen. Im Blog beleuchten wir deshalb typische Fragestellungen, die viele Pflegepersonen belasten, und geben Anregungen zur Entlastung und Selbstsorge in der Pflege weiter.

Selbstsorge in der Pflege ist im Pflegealltag genauso wichtig wie die Sorge um eine pflegebedürftige Person selbst. Doch häufig sind Pflegepersonen durch die Belastungen der Pflege so in Beschlag genommen, dass sie den Blick auf eigene Bedürfnisse und Grenzen vernachlässigen. Im Blog beleuchten wir deshalb typische Fragestellungen, die viele Pflegepersonen belasten, und geben Anregungen zur Entlastung und Selbstsorge in der Pflege weiter. 

„Was ist, wenn ich das alles nicht mehr schaffe?“ – Die Angst vor Überforderung 

Die Angst vor Überlastung beschäftigt viele Pflegepersonen. Denn Pflegende können leicht erahnen, dass sich der Zustand ihrer pflegebedürftigen Angehörigen im Lauf der Zeit eher verschlechtern als verbessern wird. Zudem spüren viele pflegende Angehörige, dass die eigenen Kräfte umso mehr nachlassen, je länger und fordernder der Pflegealltag ist. Dem Schutz vor Überlastung und Überforderung kommt bei der Selbstsorge in der Pflege daher eine große Bedeutung zu. 

  • Achten Sie auf Erholungspausen: Erholung ist kein Luxus. Sie ist wichtig, damit Sie als Pflegeperson langfristig leistungsfähig bleiben – auch zum Wohl Ihrer pflegebedürftigen Angehörigen. Wenn Sie also das Gefühl haben, Erholung sei nicht möglich, so fragen Sie sich einmal, wer denn die Pflege übernehmen soll, wenn Sie selbst ausfallen sollten. Planen Sie regelmäßige Erholungspausen deshalb fest in Ihren Pflegealltag ein. Empfehlenswert ist mindestens eine Stunde am Tag und ein Tag in der Woche. Achten Sie darauf, dass Sie in dieser Zeit keine anderen Arbeiten übernehmen. Tun Sie stattdessen wirklich etwas, das Ihnen einfach guttut. Sprechen Sie Ihre Erholungspausen mit anderen Familienangehörigen oder Pflegedienstleistern ab und bitten Sie, in dieser Zeit die Betreuung der pflegebedürftigen Person zu übernehmen. 

  • Nehmen Sie Belastungsanzeichen ernst: Es ist wichtig, dass Sie für die Selbstsorge in der Pflege Ihre eigene körperliche und seelische Belastungsgrenze kennen und diese auf keinem Fall überschreiten. Nehmen Sie deshalb erste Überlastungs- und Erschöpfungssignale sehr ernst. Mögliche körperliche Reaktionen können Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen, aber auch häufige Infekte durch geschwächte Abwehrkräfte sowie Herz-Kreislauf-Probleme oder Magen-Darm-Beschwerden sein. Seelische Überlastungsanzeichen sind Nervosität, innere Unruhe, Niedergeschlagenheit, aber auch Gereiztheit, Aggressionen oder ein Gefühl der Sinn- und Hoffnungslosigkeit. Nehmen Sie derartige Anzeichen von Überlastung ernst und besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt. Andernfalls laufen Sie Gefahr, an Burn-out oder Belastungsdepressionen zu erkranken.  

  • Hüten Sie sich vor Suchtmitteln: Im belastenden Pflegealltag können Alkohol oder Zigaretten eine besondere Anziehung ausüben, um Stress abzubauen. Unterschätzen Sie jedoch nicht, dass Sie aufgrund der hohen Belastung Gefahr laufen, schnell in eine Suchtspirale zu geraten. Ebenso sollten Sie es vermeiden, Ihren Stress mit Beruhigungs- oder Aufputschmittel zu bekämpfen. 

  • Sprechen Sie über Ihre Belastungen: Vertrauen Sie sich Familienmitgliedern und Freunden an. Sehen Sie es keinesfalls als Schwäche, über Gefühle der Überlastung und Überforderung zu sprechen. Nehmen Sie zudem auch Rückmeldungen aus ihrem Umfeld ernst. Nutzen Sie für die Selbstsorge in der Pflege bei Bedarf auch die vielfältigen kostenlosen Gesprächs- und Hilfsangebote für pflegende Angehörige

„Mache ich das auch gut genug?“ – Selbstsorge in der Pflege im Blick auf eigene Ansprüche und Schuldgefühle 

Wer einen Menschen pflegt, kennt die Situation: Man könnte ständig noch etwas mehr machen. Noch etwas mehr Gründlichkeit in der Pflege, noch etwas mehr Zeit für die pflegebedürftige Person, noch etwas mehr Suche nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten. Viele Pflegepersonen haben deshalb das Gefühl, noch nicht genug zu tun. Daraus können schnell Schuldgefühl entstehen, die Pflegepersonen unbedingt ernst nehmen sollten. 

  • Machen Sie den „Selbsttest“: Sollten Sie das Gefühl haben, nicht genug für Ihre*n Angehörige*n zu tun, so kann es gut sein, ein kleines Experiment zu starten. Versetzen Sie sich einmal selbst in die Rolle der pflegebedürftigen Person. Versuchen Sie, in Kontakt mit deren Gefühlswelt zu kommen. Fragen Sie sich, ob Sie selbst mit der Pflege, die Sie leisten, zufrieden wären. Sicher werden Sie schnell ein Gefühl der Dankbarkeit und Zufriedenheit spüren. Es kann Ihnen helfen, es mit den eigenen Ansprüchen nicht zu übertreiben. Zudem können Sie so vermutlich spüren, dass der*die Pflegebedürftige auch viel Mitgefühl für Sie empfindet und sicher nicht möchte, dass Sie sich selbst überfordern. 

  • Nehmen Sie sich selbst wichtig: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche nicht weniger bedeutsam sind als die der pflegebedürftigen Person. Wenn Sie also das Gefühl haben, eine Auszeit oder etwas Ruhe zu brauchen, so müssen Sie deshalb kein schlechtes Gewissen gegenüber der gepflegten Person haben. Ihre Selbstsorge in der Pflege ist genauso wichtig wie die Sorge um Ihre*n Angehörige*n. Eigene Bedürfnisse sollten also niemals ein Anlass zu Schuldgefühlen sein. 

  • Vertrauen Sie sich jemandem an: Schuldgefühle können Sie blockieren und Ihre Handlungsfähigkeit einschränken. Vertrauen Sie sich deshalb bei lang anhaltenden Schuldgefühlen einer Vertrauensperson oder einem*r Therapeut*in an.

„Mir reichts“ – Umgang mit Wut in der Pflege 

Es ist völlig normal, wenn Pflegepersonen Wut oder Aggressionen gegenüber Ihren pflegebedürftigen Angehörigen verspüren. Dies gilt insbesondere bei Pflegebedürftigen, die sehr fordernd sind, sich wenig dankbar zeigen oder aufgrund ihrer Erkrankung besonders viel Zeit und Zuwendung benötigen. Dennoch sollten Sie diese Gefühle gut im Blick behalten und auf Maßnahmen zu deren „Linderung“ achten. 

  • Akzeptieren Sie Wutgefühle: Viele Pflegepersonen schämen sich, wenn Sie Wut, Aggressionen oder sogar Hass gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen verspüren. Schließlich pflegen sie einen geliebten Familienangehörigen. 
    Doch Schuldgefühle sind kein guter Ratgeber. Akzeptieren Sie die Gefühle, die Sie während der Pflege spüren und verurteilen Sie sich nicht selbst dafür. 

  • Verschaffen Sie sich „Wutventile“: Suchen Sie nach Möglichkeiten, die Ihnen helfen können, Frust abzulassen. Sprechen Sie mit vertrauten Menschen oder anderen Pflegepersonen über Ihre Gefühle. Machen Sie ausgiebige Spaziergänge, bei denen Sie sich Ihre Wut aus den Knochen laufen. Suchen Sie sich eine Sportart, bei der sie sich abreagieren können oder gestalten Sie sich mit einem schönen Hobby einen Ausgleich zu Ihren Belastungen.

  • Ziehen Sie rechtzeitig die Notbremse: Wenn Sie spüren, dass sich Gefühle von Wut oder sogar Hass gegenüber der pflegebedürftigen Person zunehmen, sollten Sie alarmiert sein. Denn dann können Ihre Emotionen schnell zu verbalen oder auch körperlichen Attacken führen. Damit die Situation nicht derart eskaliert, sollten Sie rechtzeitig handeln. Ziehen Sie sich eine Zeit aus der Pflege zurück, auch wenn dies eine schlechtere Versorgung bedeuten kann. Nehmen Sie die Angebote einer Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch. Suchen Sie Rat bei Expertinnen und Experten, zum Beispiel beim Notruftelefon „Handeln statt Misshandeln“, das von der Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter e. V. betrieben wird (Tel.: 0228-696868; Mo – Fr 10 bis 12 Uhr sowie Mo von 15 bis 17 Uhr). 

„Wird alles gut gehen?“ – Selbstsorge in der Pflege bei eigener Abwesenheit 

Viele Pflegepersonen tun sich schwer, die Pflege in fremde Hände zu geben. Doch Urlaube und Auszeiten sind gerade für pflegende Angehörige wichtig, um neue Kraft sammeln zu können. Sie sind wesentlich für die Selbstsorge in der Pflege. Viele Pflegende begleiten in Zeiten der Abwesenheit jedoch Sorgen um ihre zurückgelassenen Angehörigen. Es ist wichtig, diese Gefühle unbedingt ernst zu nehmen. 

  • Sprechen Sie über Ihre Sorgen und Ängste: Es wäre nicht menschlich, wenn Sie die Sorge um eine*n pflegebedürftige*n Angehörige*n nicht auch im Urlaub begleitet. Versuchen Sie daher nicht, ihre Gefühle zu unterdrücken. Sprechen Sie stattdessen darüber. Denn gerade Gespräche können gut helfen, Sorgen und Ängste Stück für Stück loszulassen. 

  • Vereinbaren Sie Kontaktzeiten: Sowohl für Sie selbst als auch für Ihre*n Angehörigen ist es gut, wenn Sie sich zu feste Kontakt- und Telefonzeiten verabreden. So können Sie sicherstellen, dass Sie gut über die Situation zuhause informiert sind. Zugleich müssen Sie selbst auf diese Weise nicht immer erreichbar sein. Sollte die pflegebedürftige Person nicht mehr selbst kommunizieren können, treffen Sie eine entsprechende Vereinbarung mit der Person oder Einrichtung, die die Pflege während Ihrer Abwesenheit übernimmt. 

  • Suchen Sie sich Verbündete vor Ort: Wenn Sie bereits vor Ihrer Abreise ein mulmiges Gefühl beschäftigt, kann es hilfreich sein, eine Vertrauensperson vor Ort zu bitten, die Übergangspflegesituation stellvertretend für Sie im Auge zu behalten. So müssen Sie sich nicht nur auf die Aussagen der Pflegekräfte verlassen, sondern haben auch eine zweite, eigenständige Informationsquelle. 

  • Bringen Sie Urlaubsfreude mit nach Hause: Eine Postkarte, ein Fotobuch oder ein Mitbringsel – es gibt viele Möglichkeiten, mit denen Sie auch der pflegebedürftigen Person zuhause eine Freude bereiten können. Zugleich können Sie so auch bei Ihrem*r Angehörigen das Bewusstsein wecken, dass Sie eine gute und wichtige Auszeit erlebt haben, die Ihrer Selbstsorge in der Pflege dient. Verstecken Sie Ihre schönen Erlebnisse nicht aus falschem Schamgefühl, sondern erzählen Sie ganz bewusst davon. 

Für die unterschiedlichen Belastungen in der Pflege haben sich verschiedene Hilfsangebote etabliert, bei denen Pflegepersonen Unterstützung finden können. Die wichtigsten haben wir für Sie in unserem Ratgeberbeitrag „Rat und Hilfe für pflegende Angehörige“ zusammengestellt.