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Ratgeber

Wenn der Schmerz zum Alltag gehört - Pflege bei Rheuma und Arthrose

Werden selbst alltägliche Bewegungen zu einer schmerzhaften Belastung, gelten nicht selten Arthrosen und rheumatische Erkrankungen als Auslöser. Die mit den Krankheiten einhergehenden Beschwerden sind dabei für Betroffene und Angehörige gleichermaßen belastend. Doch eine gute Therapie und eine symptomgerechte Pflege können helfen, den Erkrankten hilfreiche Linderung zu bieten

Werden selbst alltägliche Bewegungen zu einer schmerzhaften Belastung, gelten nicht selten Arthrosen und rheumatische Erkrankungen als Auslöser. Die mit den Krankheiten einhergehenden Beschwerden sind dabei für Betroffene und Angehörige gleichermaßen belastend. Doch eine gute Therapie und eine symptomgerechte Pflege können helfen, den Erkrankten hilfreiche Linderung zu bieten.

Rheuma und Arthrose – ähnlich und doch verschieden

„Rheuma“, „Arthrose“ oder „Arthritis“: Von vielen Menschen werden diese Krankheitsnamen mit Gelenkbeschwerden in Verbindung gebracht und dabei dennoch häufig verwechselt. Doch auch wenn sich die Auswirkungen der Krankheiten ähneln, lassen sich gerade im Blick auf ihre Ursachen deutliche Unterschiede beschreiben:

  • Arthrose: Die Arthrose bezeichnet den kontinuierlichen Abbau von Gelenkknorpel, der zu starken Gelenkschmerzen führen kann. Grund dafür ist das direkte Aufeinanderreiben von Knochen, die nicht mehr durch eine schützende Knorpelschicht voneinander getrennt sind.
  • Rheuma: Im Gegensatz zur Arthrose liegt die Ursache für rheumatische Erkrankungen nicht immer unmittelbar in den Gelenken. So können auch Knochen, Sehnen, Muskeln oder das Bindegewebe betroffen sein. „Rheuma“ gleicht dabei einem Überbegriff für alle Erkrankungen des Bewegungsapparates, deren Ursache keine akute Verletzung oder Tumorerkrankung ist.
  • Rheumatische Arthritis (RA): Die häufigste rheumatische Erkrankung ist die rheumatische Arthritis. Sie zeichnet sich vor allem durch eine heftige Immunreaktion aus, bei der das Immunsystem den körpereigenen Knorpel wie einen Fremdkörper bekämpft. Die Gelenke sind daher chronisch entzündet, sodass sie auch im ruhenden Zustand stark schmerzen können.

Typisch für die Arthrose, die rheumatische Arthritis und weitere rheumatische Erkrankungen sind Symptome wie Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und eine Überwärmung an den Gelenken, die zu deutlichen Funktionseinschränkungen führen können.
Bei stärkeren Entzündungen kann es zudem auch zu Fieber, Müdigkeit, Nachtschweiß, diffusen Gliederschmerzen und Gewichtsverlust kommen.

Arthrose: jede zweite Frau über 60 ist betroffen.

Die Arthrose gilt als häufigste aller Gelenkerkrankungen in Deutschland. Rund fünf Millionen Menschen gelten als betroffen. 1,5 Millionen Deutsche leiden unter einer rheumatischen Erkrankung, darunter auch 20.000 Kinder (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie).
Dies zeigt, dass die schmerzenden Erkrankungen jede Altersgruppe treffen können. Gleichwohl nimmt die Zahl der Erkrankten im Alter deutlich zu: Ab dem 60. Lebensjahr ist nahezu jede zweite Frau und jeder dritte Mann von einer Arthrose betroffen.

Pflege bei Rheuma und Arthrose

Kaum etwas kann für Menschen so belastend sein wie anhaltende Schmerzen. Doch auch wenn arthritische und rheumatische Erkrankungen nicht heilbar sind, können eine gute medizinische Versorgung und eine bedürfnisorientierte Pflege die Leiden der Betroffenen erheblich mildern.

1. Suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat! 

In der Medizin sind derzeit mehr als 200 rheumatische Erkrankungen bekannt. Allesamt verursachen Schmerzen im Bewegungsapparat, lassen sich dabei jedoch auf ganz unterschiedliche Ursachen und Wirkweisen zurückführen. Sind Angehörige von anhaltenden Gelenkschmerzen betroffen, sollte daher möglichst frühzeitig ein Arzt konsultiert werden, um das Krankheitsbild genauer zu erfassen und eine bedarfsgerechte Therapie einzuleiten.  

2. Informieren Sie sich über Behandlungsmethoden! 

Da sich die einzelnen rheumatischen Erkrankungen stark unterscheiden, muss auch ihre Behandlung individuell angepasst werden. Die Bandbreite der Therapien reicht dabei von Schmerzmedikamenten über spezielle Rheuma-Medikamente bis hin zu gymnastischen Übungen, Physiotherapie und einer spezialisierten Ernährung. In besonders schweren Fällen sind auch operative Eingriffe möglich. Betroffene und Angehörige sollten sich deshalb möglichst umfassend über die unterschiedlichen Behandlungsmethoden informieren.

3. Ermutigen Sie zu Bewegung!

Es mag nur allzu verständlich wirken, dass Betroffene dazu neigen, schmerzende Gelenke zu schonen und möglichst wenig zu belasten. Für rheumatische Erkrankungen ist dies jedoch meist der falsche Weg. Vielmehr kann eine spezielles Funktionstraining helfen, weitere Schäden an den Gelenken zu vermeiden. Ebenso können auch Spaziergänge und leichte körperliche Tätigkeiten sowie gymnastische Übungen einen positiven Effekt haben, sofern die Betroffenen nicht unter akuten oder sehr schweren Symptomen leiden.

4. Reagieren Sie auf den Krankheitsverlauf!

Rheumatische Erkrankungen verlaufen nicht gleichmäßig. Vielmehr leiden Betroffene unter Krankheitsschüben, in denen sich die Situation sehr plötzlich stark verschlechtern kann.
Da die Betroffenen in dieser Zeit mehr Unterstützung benötigen als in milderen Krankheitsphasen, ist es von Vorteil, sich durch die Schaffung entsprechender Ressourcen auf schwere Krankheitsschübe vorzubereiten. So kann es beispielsweise hilfreich sein, den Arbeitgeber um eine Gleitzeitlösung zu bieten, die mehr Eigenverantwortung bei der Ausgestaltung der Arbeitszeit ermöglicht, oder auch eine Hilfsperson „auf Abruf“ im Bekanntenkreis oder der Nachbarschaft um zusätzliche Unterstützung bei schweren Schüben zu bitten.

5. Finden Sie neue Beschäftigungs- und Teilhabemöglichkeiten! 

Da Betroffene in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, können sie lieb gewonnenen Gewohnheiten häufig nicht mehr in der gewohnten Weise nachgehen. Pflegende Angehörige sollten daher nach kreativen Lösungen suchen, um Beschäftigung und Teilhabe am sozialen Leben auch weiterhin zu ermöglichen. Schmerzen beispielsweise die Knie bei der Gartenarbeit, kann ein gemeinsam gepflegtes Hochbeet eine gut Alternative darstellen. Scheuen die Betroffenen die Teilnahme an einem Treffen, weil sie eine schmerzhafte Wegpassage fürchten, können Fahrdienste oder eine Verlegung der Veranstaltung ins nähere Umfeld der Betroffenen (z. B. bei Familienfeiern) einen Ausweg bieten.  

6. Nutzen Sie die Kraft von Wärme und Kälte! 

Bei akuten Arthritisschüben können Kühlpads oder kalte Fuß- und Handbäder für eine angenehme Linderung sorgen. Diese sollten allerdings sehr vorsichtig und jeweils nur kurzzeitig (ca. 15 Minuten) angewendet werden. Bei anhaltenden Gelenkbeschwerden zwischen den einzelnen Schüben können eine lokale Wärmebehandlung mit Rotlicht oder Kernkissen sowie wärmende „Bäder“ in warmem Vogelsand oder Trockenerbsen die Schmerzen lindern. 

7. Nutzen Sie Pflegehilfsmittel! 

Bei anhaltenden und schwereren Krankheitssymptomen sollte darüber nachgedacht werden, das Wohnumfeld der Betroffenen entsprechend umzugestalten. So kann z. B. eine Verlegung des Schlafzimmers ins Erdgeschoss den mühsamen Treppenweg ersparen. Auch Pflegehilfsmittel wie ein Treppenlift oder ein Rollstuhl, aber auch kleine Hilfen wie Spezialbesteck oder Schreibhilfen können den Alltag der Erkrankten wirksam erleichtern.  

8. Zeigen Sie Verständnis für „Begleitsymptome“! 

Schmerzen können ermüden, anstrengen und zermürben. Angehörige sollten daher Verständnis aufbringen, wenn sich Betroffene gereizt, lustlos oder frustriert zeigen. Zugleich können sie mit Geduld, positiven Gedanken und unaufdringlichen Motivationsbemühungen versuchen, den Blick der Erkrankten wieder nach vorn zu richten. Dabei kommt jedoch auch der Selbstsorge eine große Bedeutung zu. So sollten sich Angehörige immer wieder kleine Auszeiten gönnen, um auch den „Energiehaushalt“ der eigenen Psyche nicht aus dem Blick zu verlieren.  

9. Informieren und vernetzen Sie sich! 

Aufgrund der Vielzahl von Erkrankten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine große Bandbreite von Austausch- und Informationsmöglichkeiten zu Rheuma und Arthrose etabliert, die für Betroffene und Angehörige gleichermaßen hilfreich sein kann. 
Pflegenden Angehörige können zudem auch durch Gesprächs- und Selbsthilfegruppen eine wertvolle Entlastung im oft anstrengenden Pflegealltag finden. 

Eine hilfreiche Übersicht bietet diesbezüglich die Internetpräsenz der Deutschen Rheuma-Liga: rheuma-liga.de 

Pflege, Mobilisation, Zuspruch – die 24h Pflege zu Hause 

Starke rheumatische Schübe und ein fortschreitender Krankheitsverlauf können dazu führen, dass Erkrankte zunehmend mehr Pflege und Unterstützung benötigen. Möchten sich pflegende Angehörige dabei nicht selbst überfordern, sollten sie frühzeitig die Einbindung von geschulten Pflegekräften in Betracht ziehen. Besondere Vorteile bietet dabei die 24h Pflege zu Hause. Sie ermöglicht den Betroffenen eine intensive und situationsgerechte Unterstützung, ohne dass die Erkrankten dafür ihr lieb gewonnenes Zuhause verlassen müssen. Da sich Pflegekraft und Erkrankte*r sehr gut kennenlernen können, kann die 24 h Pflege zu Hause zudem einen wertvollen Beitrag zur körperlichen Mobilisation, aber auch zur emotionalen Unterstützung der Betroffenen leisten.