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Ratgeber

Hautpflege bei Pflegebedürftigen: Tipps für den Alltag

Als größtes Organ des Menschen verändert sich auch die Haut mit zunehmendem Lebensalter: Sie wird trockener und empfindlicher. Die Haut von Pflegebedürftigen ist zudem weiteren Belastungen ausgesetzt, beispielsweise durch langes Liegen, durch Inkontinenz oder Durchblutungsstörungen. Eine gute Hautpflege bei Pflegebedürftigen ist daher von großer Bedeutung. Im Ratgeber erläutern wir die wichtigsten Anforderungen für die Pflege der Haut im höheren Lebensalter und geben praktische Tipps für die Hautpflege bei älteren und pflegebedürftigen Menschen.

Als größtes Organ des Menschen verändert sich auch die Haut mit zunehmendem Lebensalter: Sie wird trockener und empfindlicher. Die Haut von Pflegebedürftigen ist zudem weiteren Belastungen ausgesetzt, beispielsweise durch langes Liegen, durch Inkontinenz oder Durchblutungsstörungen. Eine gute Hautpflege bei Pflegebedürftigen ist daher von großer Bedeutung. Im Ratgeber erläutern wir die wichtigsten Anforderungen für die Pflege der Haut im höheren Lebensalter und geben praktische Tipps für die Hautpflege bei älteren und pflegebedürftigen Menschen.

Die Haut – unser Schutzschild gegen schädliche Umwelteinflüsse

Unsere Haut erfüllt viele wichtige Aufgaben. Sie schützt den Körper vor Krankheitserregern, reguliert die Körpertemperatur und trägt dazu bei, die Feuchtigkeit im Körper zu halten. Möglich wird dies durch ihren besonderen Aufbau aus drei unterschiedlichen Schichten, die jeweils eigene Aufgaben übernehmen:

  • Oberhaut (Epidermis): Die äußerste Hautschicht bildet eine natürliche Schutzbarriere gegen Keime, Schmutz und Umwelteinflüsse.
  • Lederhaut (Dermis): In der mittleren Hautschicht befinden sich Blutgefäße, Nerven sowie Schweiß- und Talgdrüsen. Außerdem enthält sie Kollagen und Elastin, die der Haut Festigkeit und Elastizität verleihen.
  • Unterhaut (Subcutis): Die tiefste Hautschicht besteht überwiegend aus Fett- und Bindegewebe. Sie dient als Polster, schützt vor Druck und Stößen, speichert Energie und hilft dabei, die Körperwärme zu erhalten.

Wie verändert sich die Haut im Alter?

Die gestiegenen Ansprüche der Haut im höheren Lebensalter lassen sich auf verschiedene dermatologische Veränderungen zurückführen:    

  • Geringere Widerstandsfähigkeit: Im Alter erneuern sich die Hautzellen langsamer. Gleichzeitig werden die Oberhaut und die darunterliegende Lederhaut dünner. Auch das schützende Fettgewebe unter der Haut nimmt ab. Dadurch wird die Haut empfindlicher. Oft können deshalb schon leichter Druck, Reibung oder kleine Stöße zu Hautverletzungen, Blutergüssen oder Hauteinblutungen führen. Eine weitere auffällige, aber weitestgehend harmlose Veränderung: Die Blutgefäße treten durch das dünner werdende Gewebe deutlicher hervor, sind dadurch aber auch etwas schlechter vor äußeren Einwirkungen geschützt.
  • Verlust von Elastizität: Ihre Festigkeit und Spannkraft verdankt die Haut vor allem den Strukturproteinen Kollagen und Elastin. Da der Körper im Alter weniger davon bildet, kann sich die Haut nach einer Dehnung oder Belastung nicht mehr so gut zusammenziehen. Sie wird schlaffer, Falten nehmen zu.
  • Vermehrte Trockenheit: Im höheren Lebensalter sinkt die Aktivität der Talg- und Schweißdrüsen, die die Haut feucht und geschmeidig halten. Die Haut wird trockener, fühlt sich oft rau, spröde oder schuppig an und kann jucken oder spannen.
  • Höhere Druckempfindlichkeit: Durch die Rückbildung des polsternden Unterhautfettgewebes wird Druck von außen stärker auf das darunterliegende Gewebe übertragen. Dadurch reagiert die Haut empfindlicher auf längeres Sitzen oder Liegen. Druckschäden können leichter entstehen.

Die Vermeidung von Dekubitus bei Bettlägerigkeit

Das sogenannte „Wundliegen“ kann vor allem bei bettlägerigen oder stark bewegungseingeschränkten Menschen auftreten. Kann die Sitz- oder Liegeposition nicht regelmäßig verändert werden, lastet über längere Zeit Druck auf denselben Körperstellen. Die Durchblutung des Gewebes wird beeinträchtigt und ein Druckgeschwür, ein sogenannter Dekubitus, kann entstehen. Eine sorgfältige Vorbeugung ist deshalb besonders wichtig:

  • Regelmäßige Positionswechsel: Häufiges Umlagern oder Verändern der Sitz- bzw. Liegeposition entlastet gefährdete Körperstellen wie Ellenbogen, Fersen, Hüften, Schulterblätter oder das Steißbein.
  • Tägliche Kontrolle: Der achtsame Blick auf auftretende Rötungen, Druckstellen oder Hautverletzungen kann helfen, die Entstehung von Druckgeschwüren zu vermeiden.
  • Verminderung von Druck und Reibung: Möglichst faltenfreie Bettwäsche, gut sitzende Kleidung und spezielle Lagerungskissen können helfen, vermeidbare Belastungen der Haut zu reduzieren.
  • Förderung der Mobilität: Jede Form der Eigenbewegung entlastet die Haut und verbessert die Durchblutung. Mobilisierung ist deshalb auch bei stärkerer Pflegebedürftigkeit wertvoll und wichtig.
  • Vermeiden von Feuchtigkeit: Schweiß, Urin und Stuhl können die Haut zusätzlich schädigen und das Risiko für Druckgeschwüre erhöhen. Eine konsequente Pflegeroutine ist deshalb unerlässlich.

Die Vermeidung von Druckgeschwüren gehört zu den Grundpfeilern der Hautpflege im höheren Lebensalter. Ausführliche Informationen und Anregungen finden Sie in unserem Ratgeber zur Dekubitusprophylaxe.

  • Pigmentveränderungen: Im Alter verteilt sich der Hautfarbstoff Melanin ungleichmäßiger im Hautgewebe. Dadurch können insbesondere an Körperstellen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind, wie den Händen, den Unterarmen oder im Gesicht, Verfärbungen und sogenannte Altersflecken entstehen. Gleichzeitig kann die Haut insgesamt heller oder fahler erscheinen – eine Folge der nachlassenden Durchblutung im Alter.
  • Schlechtere Wundheilung: Auch die Regeneration der Haut verlangsamt sich im Alter. Die Durchblutung sinkt, neue Hautzellen werden langsamer gebildet, Das Heilen von kleinen Hautrissen, Kratzern oder Verletzungen benötigt mehr Zeit.

Altersfleck oder Hautkrebs? So unterscheiden Sie altersbedingte dermatologische Veränderungen von Hautkrebs

Altersflecken sind harmlos und bei älteren Menschen weit verbreitet. Da sie jedoch ähnlich aussehen können wie bestimmte Formen von Hautkrebs (oder dessen Vorstufen), sollten Hautveränderungen regelmäßig beobachtet werden. Eine erste Orientierung kann dabei die ABCDE-Regel bieten:

A – Asymmetrie: Die Hautveränderung ist nicht gleichmäßig geformt.

B – Begrenzung: Die Ränder sind unscharf, unregelmäßig oder ausgefranst.

C – Colour (Farbe): Die Stelle weist verschiedene Farbtöne auf, zum Beispiel hell- und dunkelbraun, schwarz, rötlich oder bläulich.

D – Durchmesser: Die Hautveränderung ist größer als etwa 5 Millimeter oder nimmt über die Zeit deutlich an Größe zu.

E – Entwicklung: Die Stelle verändert sich im Laufe der Zeit beispielsweise in Form, Farbe, Größe oder Oberfläche.

Treffen eines oder mehrere dieser Merkmale zu, sollte die Hautveränderung ärztlich untersucht werden. Das gilt auch für auffällige Stellen, die neu entstehen, über längere Zeit nicht abheilen, wiederholt bluten, nässen oder verkrusten. Der Grund: Sie könnten eine Form des hellen Hautkrebses sein, der sich anders als der sog. dunkle Hautkrebs nicht als dunkler Fleck, sondern in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen zeigt – zum Beispiel als rötlicher, schuppiger oder verhornter Fleck, als hautfarbenes oder glasiges Knötchen oder eine wiederholt verkrustende Wunde.

Typische Hautprobleme bei älteren und pflegebedürftigen Menschen

Aufgrund der beschriebenen altersbedingten Veränderungen der Haut können sich im höheren Alter spezifischere Hautprobleme ergeben. Zudem bringt auch die Pflegebedürftigkeit besondere Risiken mit sich:

  • Trockene Haut (Xerosis): Die sogenannte „senile Xerose“ betrifft mehr als die Hälfte der Menschen über 75 Jahre. Sie ist damit die am weitesten verbreitete alterstypische Erkrankung der Haut. Durch die starke Trockenheit fühlt sich die Haut rau oder schuppig an und spannt. Da durch den mangelhaften Talg- und Feuchtigkeitsfilm zudem die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt ist, können leichter kleine Risse entstehen – ein mögliches Einfallstor für Krankheitserreger.
  • Intertrigo (Hautwolf): Als Intertrigo bezeichnet man eine Entzündung der Haut, die vor allem dort entsteht, wo Haut auf Haut liegt und Wärme sowie Feuchtigkeit über längere Zeit bestehen bleiben, beispielsweise unter der Brust, in der Leistengegend oder unter Bauchfalten. Typische Anzeichen sind Rötungen, Brennen oder nässende Hautstellen. Bei pflegebedürftigen Menschen kann die eingeschränkte Beweglichkeit das Risiko für eine Intertrigo erhöhen.
  • Inkontinenz-assoziierte Dermatitis: Kommt die Haut über längere Zeit mit Urin und Stuhl in Kontakt, verändert sich das natürliche, leicht saure Hautmilieu. Die oberste Hautschicht weicht auf. Verdauungsenzyme im Stuhl können die Haut zusätzlich reizen. Die Folge: Die Hautbarriere verliert an Schutz und reagiert empfindlicher auf Reibung. Typische Anzeichen sind Rötungen, Brennen, Schmerzen oder wunde Hautstellen.
  • Pilzinfektionen: Pilzinfektionen treten vor allem in warmen und feuchten Hautbereichen auf, beispielsweise in Hautfalten oder zwischen den Zehen. Sie äußern sich häufig durch Rötungen, Juckreiz, Brennen oder schuppige Haut. Eine erhöhte Achtsamkeit beim Waschen und Abtrocknen von pflegebedürftigen Personen ist deshalb besonders wichtig.

Hautschonende Pflege

Um ihre natürlichen Schutzfunktionen möglichst lange zu erhalten, benötigt die Haut im höheren Lebensalter eine angepasste Hautpflege:

  • Hautschutz bei Inkontinenz: Langer Kontakt mit Urin ist Gift für die Haut. Achten Sie deshalb darauf, dass die Haut möglichst trocken bleibt. Saugfähige Inkontinenzeinlagen oder -hosen können austretenden Urin aufnehmen und längeren Hautkontakt mit Feuchtigkeit vermeiden. Wechseln Sie feuchte Kleidung, Bettwäsche und Pflegematerialien zudem so zeitnah wie möglich. Auch regelmäßige Toilettengänge können helfen, unkontrollierten Urinverlust zu verringern. Weitere Hinweise zu geeigneten Hilfsmitteln und einem achtsamen Umgang mit Blasenschwäche finden Sie in unserem Ratgeber „Pflege bei Harninkontinenz“.
  • Nur geeignete Unterlagen verwenden: Saugfähige Schutzunterlagen sind sinnvoll, wenn durch Inkontinenz Feuchtigkeit auf Matratzen oder Sessel gelangen kann. Gut geeignet sind weiche, hautfreundliche Unterlagen, die Flüssigkeit zuverlässig aufnehmen und an der Oberfläche möglichst trocken bleiben. Weniger empfehlenswert sind einfache Plastikauflagen, Handtücher oder mehrere übereinandergelegte Unterlagen: Sie können leicht verrutschen, Falten bilden sowie Wärme und Feuchtigkeit stauen. Unterlagen sollten stets glatt und faltenfrei liegen und bei Feuchtigkeit zeitnah gewechselt werden.
  • Hautfalten trocken halten: Hautfalten bilden ein warmes und feuchtes Hautklima, das ein gutes Einfallstor für Pilzinfektionen und Entzündungen bietet. Beachten Sie gefährdete Stellen wie Hautfalten unter der Brust, in der Leiste, unter dem Bauch, zwischen Gesäß und Oberschenkeln sowie zwischen den Zehen deshalb bei der täglichen Körperpflege. Tupfen oder föhnen Sie diese bei Bedarf behutsam trocken. Auf feuchtigkeitsspendende oder stark fetthaltige Cremes sollte Sie in Hautfalten besser verzichten.
  • Auf passende Kleidung achten: Kleidung ist über viele Stunden mit unserer Haut in Kontakt und sollte daher möglichst angenehm zu tragen sein. In keinem Fall sollte sie einschneiden oder scheuern – beispielsweise durch Nähte, enge Bündchen oder raue Materialien. Weiche, atmungsaktive Stoffe unterstützen dagegen ein ausgeglichenes Hautklima, indem sie Wärme und Feuchtigkeit gleichmäßig ableiten.
  • Hautschonende Pflegeprodukte verwenden: Da die Haut mit zunehmendem Alter trockener und empfindlicher wird, sollten Sie pH-hautneutrale, seifenfreie und rückfettende Wasch- und Pflegeprodukte nutzen. So reinigen Sie die Haut schonend, ohne ihr Feuchtigkeit zu entziehen oder ihren natürlichen Säureschutzmantel anzugreifen. Für die tägliche Körperpflege gilt außerdem: Weniger ist oft mehr – sowohl im Blick auf die Anzahl der eingesetzten Pflegeprodukte als auch auf die Häufigkeit ihrer Verwendung.
  • Hautpflege als kleine Wellness-Auszeit gestalten: Eincremen kann weit mehr sein als notwendige Hautpflege. Nehmen Sie sich, wann immer es der Pflegealltag erlaubt, etwas Zeit und tragen Sie das Pflegeprodukt mit ruhigen, sanften Streichbewegungen auf. So kann die Pflege zu einem wohltuenden Ritual werden, das entspannt, die Durchblutung anregt und einen angenehmen Moment der Zuwendung schafft.

Weitere wichtige Hilfestellungen zur Hautpflege bei älteren und pflegebedürftigen Menschen finden Sie auch in einem Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP).

 

Hautveränderungen frühzeitig erkennen:

Je eher Hautveränderungen erkannt werden, desto besser lassen sie sich behandeln. Betrachten Sie die Haut Ihres pflegebedürftigen Familienmitgliedes deshalb regelmäßig bei gutem Licht – im Idealfall einmal pro Woche. Beziehen Sie in Ihr „Screening“ dabei auch schwer einsehbare Körperstellen wie Rücken, Fersen, Ellenbogen und die Bereiche unter der Brust oder im Intimbereich mit ein. Achten auf Auffälligkeiten wie neue Rötungen, Schwellungen, nässende Stellen, Verhärtungen und Verfärbungen. Auch Beschwerden können Hinweise auf ein Hautproblem sein. Um die Entwicklung beurteilen zu können, sollten Sie Veränderungen notieren oder – mit Einverständnis der pflegebedürftigen Person – fotografisch festhalten. Heilen die betroffenen Stellen nicht ab, verschlimmern sie sich oder ist ihre Ursache unklar, sollte Sie nicht zögern, ärztlichen Rat einzuholen.