Hauptverwaltung
St.-Sebastianus-Str. 5 • 51147 Köln
Tel: 0221 / 47 44 48 12
Öffnungszeiten:
Mo - Fr 9.00 - 17.00 Uhr
12.00 - 13.00 Uhr Pause
Notfallnummer: 0176 615 384 55
Mo - Fr: 17.00 - 20.00 Uhr
Wochenende 09.00 - 20.00 Uhr

Musik in der Pflege ist weit mehr als bloße Hintergrundbeschallung. Richtig eingesetzt kann sie Emotionen wecken, Erinnerungen aktivieren und das Wohlbefinden pflegebedürftiger Menschen nachhaltig verbessern.
In der häuslichen Pflege spielt Musik eine besondere Rolle. Sie ist leicht zugänglich und kann so nicht nur angenehm unterhalten, sondern auch aktivieren oder beruhigen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Musik in der Pflege wirkt, bei welchen Erkrankungen sie besonders hilfreich ist und wie Sie diese im Pflegealltag am besten einsetzen können.
Musik spricht emotionale, körperliche und kognitive Prozesse an – genau darin liegt ihr besonderer Wert im Pflegealltag.
Wecken von Erinnerungen: Manchmal genügt ein einziges Lied und plötzlich beginnt eine pflegebedürftige Person mitzusingen oder mitzusummen. Vertraute Melodien sind tief im Langzeitgedächtnis verankert und können dort Erinnerungen an prägende Erlebnisse und geliebte Menschen wachrufen. Häufig gelingt dies selbst dann noch, wenn Worte oder andere Reize diese Erinnerungen nicht mehr in gleicher Intensität ins Bewusstsein rufen können.

Musik kann bei vielen (altersbedingten) Krankheiten eine wertvolle Unterstützung sein. Ihre größte Stärke entfaltet sie jedoch bei neurologischen und psychischen Erkrankungen.
Depressionen: Gerade in depressiven Episoden kann Musik eine unterstützende Rolle spielen. Viele Betroffene können durch Musik leichter einen Zugang zu ihren Gefühlen finden oder diese besser wahrnehmen – ohne darüber sprechen zu müssen. Vertraute Lieder können außerdem kleine, entlastende Momente ermöglichen, ohne dass gleich etwas verändert oder „gelöst“ werden muss.

Bereits 30 Minuten bewusst wahrgenommene Musik am Tag können messbare körperliche Effekte haben. So belegen Studien der Universität Marburg, dass sich durch Musik die Aktivität der sogenannten Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) positiv beeinflussen lässt, also jenes Systems, das maßgeblich an der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol beteiligt ist. Sinkt diese hormonelle Stressreaktion, wirkt sich das positiv auf den gesamten Organismus aus. Denn gerade bei älteren Menschen ist der Cortisolspiegel häufig erhöht, was Schlafprobleme, Bluthochdruck oder eine geschwächte Immunreaktion begünstigt.
Die Wirkung hängt allerdings vom Musikstil ab: Sanfte, harmonische Musik beruhigt und reduziert Stress, während schnelle oder impulsive Stücke kurzfristig sogar aktivieren und Adrenalin freisetzen können. Dies zeigt, wie stark Musik das emotionale Gleichgewicht beeinflussen kann.
Musikgeschmack beachten: Es mag selbstverständlich wirken, die Musikauswahl am Geschmack der pflegebedürftigen Person auszurichten. Dennoch gibt es gut gemeinte Situationen, in denen Pflegebedürftige mit Musik beschallt werden, die nicht ihren Interessen entspricht. Nicht alle alten Menschen mögen Faschingsmusik, auch nicht, wenn gerade Fasching ist. Ebenso wenig ist es ein Selbstläufer, dass alle älteren Menschen alte Schlager lieben. Orientieren Sie die Musikauswahl daher an Lieblingsliedern der pflegebedürftigen Person. Kann diese selbst keine Musikwünsche äußern, liefert die persönliche Biografie Hinweise, zum Beispiel durch Erzählungen von früheren Konzertbesuchen, Tanzabenden und ähnlichem.

Es gehört zur Selbstbestimmung im Alter, auch beim Hören von Musik deren Art und Dauer möglichst eigenständig beeinflussen zu können. Damit dies ohne Frustration gelingt, sollte Technik genutzt werden, die für Pflegebedürftige gut zu bedienen ist.
In den letzten Jahren erfreut sich die Toniebox dank der einfachen Handhabung und der stabilen Bauweise immer größerer Beliebtheit bei Familien. Mit dem Prinzip „Figur draufstellen und los“ ist der farbenfrohe Lautsprecher aber auch für pflegebedürftige Menschen gut geeignet. Einige Projekte arbeiten derzeit sogar an speziellen Tonys für Senior*innen.
Auch andere Audioplayer mit großen Tasten und klaren Funktionen eignen sich mit ihrer einfachen Bedienung gut für ältere Menschen. Vertraute Musik ist so schnell und unkompliziert verfügbar. Im Handel sind zudem weitere Musikboxen mit nur wenigen Bedienelementen erhältlich. Manche lassen sich beispielsweise bequem über eine Klappe steuern. Die Lautstärkeregelung ist dagegen geschützt angebracht, sodass ein versehentliches Aufdrehen der Musik vermieden wird.
Musik kann wundervoll sein – wenn man den richtigen Musikgeschmack trifft. Bei allen Empfehlungen für seniorengerechte Musik sind daher immer zuerst die Vorlieben der pflegebedürftigen Person zu berücksichtigen. Unabhängig davon können unterschiedliche Genres bewusst eingesetzt werden, um eine entsprechende Wirkung zu entfalten.

Musiktherapie kommt besonders bei Demenz, neurologischen Leiden und psychischen Erkrankungen zum Einsatz. Im Gegensatz zum allgemeinen Musikhören, das eher der Unterhaltung und Entspannung dient, verfolgt die Musiktherapie klar definierte Zielsetzungen. Die Durchführung ist ausgebildeten Fachkräften und Therapeut*innen vorbehalten.
Ein Anspruch auf Musiktherapie besteht vor allem im Rahmen stationärer oder rehabilitativer Behandlungen. Die Therapie ist dann entweder Teil eines therapeutischen Gesamtkonzeptes oder gezielt ärztlich verordnet.
Nichts entfaltet die positive Wirkung von Musik besser als das eigene Singen oder Musizieren. Für das gemeinsame Musikmachen müssen weder die Pflegeperson noch die pflegebedürftige Person besonders musikalisch sein. Es zählt allein die Freude an der Musik. Mit etwas Kreativität lassen sich Pflegebedürftige dabei gut in das gemeinsame Musizieren einbinden:

Tipp: Wenn Sie selbst nicht gerne Musik machen, können Sie vielleicht eine Person aus Ihrem Bekanntenkreis ansprechen. Bestimmt fällt Ihnen jemand ein, der Musik liebt und vielleicht auch mit oder für Ihr pflegebedürftiges Familienmitglied gelegentlich etwas musizieren würde.